Ein Blick hinter die Kulissen von brockenwolf
- Saskia

- 14. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Warum Handmade-Arbeit so viel mehr ist, als man von außen sieht
Dieser Beitrag ist Teil 3 meiner Adventsreihe.
In Teil 1 habe ich zurückgeschaut, wo brockenwolf nach 2025 steht. In Teil 2 habe ich über große Entscheidungen geschrieben.
Dieser Text knüpft genau daran an.
Heute Morgen habe ich auf meine To-Do-Liste geschaut und wie so oft stand dort nicht "drucken in der Werkstatt", sondern einige der unzähligen anderen Dinge, die es auch zu tun gibt.
Kennt ihr das Gefühl, dass das doch eigentlich keine „richtige Arbeit“ ist?
Schließlich betreibe ich eine Siebdruckwerkstatt und sollte die meiste Zeit drucken.
Wenn ich mich abends frage, was ich den ganzen Tag eigentlich gemacht habe, kommt manchmal der Gedanke auf, nichts geschafft zu haben, obwohl ich weiß, dass das nicht stimmt.
Warum dieser Artikel?
Ich möchte euch in den brockenwolf-Alltag mitnehmen und zeigen, was eigentlich vor und nach dem Druck passiert. Und warum ich oft mehr Zeit am Rechner als in der Werkstatt verbringe.
Beispiel LOVE-Kollektion – wie aus einer Idee ein Produkt wird
Ein gutes Beispiel dafür ist die Entstehung meiner LOVE-Kollektion und all die Arbeit, die man davor und danach nicht sieht.
Am Anfang ist die Idee
Die LOVE-Kollektion begann in einem stillen Moment mit Lou im Wald. Plötzlich war Björk mit ihrem Lied "All is full of Love" in meinem Kopf. Und von da an wurde ich diese Textzeile nicht mehr los. Denn in diesen Zeiten voller schlechter Nachrichten und Unsicherheit, war es für mich Gegenentwurf voller Hoffnung, Offenheit und Mitmenschlichkeit.
Der Text war nicht länger nur Teil eines Liedes, sondern ein Gefühl.
Die Idee war geboren!
Die Arbeit im HIntergrund
Was dann beginnt, sieht fast niemand:
Designs entwerfen
Farben testen
Screens belichten
Größen variieren
Muster waschen, wieder waschen
passende Textilien finden
Produktfotos planen
Shooting durchführen
Bilder bearbeiten
Texte schreiben
Shop befüllen
Kategorien anlegen
Banner erstellen
Kampagnen planen und schalten
Der Druck selbst ist der kürzeste Teil.
Der Rest ist eine Mischung aus Handwerk und Strategie, Kreativität und Organisation, Emotion und Excel.
Was die LOVE-Kollektion über meine Arbeit erzählt
Für mich steht diese Kollektion für etwas Grundsätzliches: Kein Produkt entsteht nur in einem Schritt, sondern es ist die Summe aus so vielen kleinen Entscheidungen. Und erst im Zusammenspiel entsteht ein (hoffentlich) stimmiges Ergebnis.
Warum ich oft mehr Zeit am Rechner als in der Werkstatt verbringe
Ich drucke sehr gerne. Aber ein Handmade-Business besteht auch zu einem großen Teil aus digitaler Arbeit:
Workshops planen
Buchhaltung (macht echt keinen Spaß, aber muss sein)
Website pflegen und optimieren
SEO und Online-Marketing für meine Workshops und Produkte
Kampagnen aufsetzen und auswerten
Immer wieder Fotos erstellen und bearbeiten
Texte schreiben
Kund*innenanfragen beantworten
Kooperationen vorbereiten
Materialien bestellen
Social Media bespielen (und das braucht wirklich viel Zeit, zumindest bei mir als Nicht-Digital-Native)
Und genau das gehört für mich genauso dazu.
Nicht, weil ich muss, sondern weil mir (fast) alles davon Spaß macht und weil ich es liebe, so viele unterschiedliche Dinge tun zu können. So habe ich die Möglichkeit, brockenwolf auf allen Ebenen zu formen und zum Leben zu erwecken.
Warum ich das erzähle
Ein kleines Solopreneur-Business (ach gibt es heute schöne Worte für "Einzelkämpfer*innen") wie brockenwolf ist vielschichtig und viele Bereiche der alltäglichen Arbeit sind unsichtbar. Gerade zu Beginn ist es oft nicht möglich, Arbeiten zu delegieren bzw. extern zu vergeben. Als Solo-Selbstständige sind wir kleiner als andere Unternehmen, aber die Arbeit bleibt meist dieselbe, nur dass wir sie eben alleine tragen.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin mehr als einmal belächelt worden. Schon als Online-Marketing-Freelancerin und jetzt bei brockenwolf gefühlt noch einmal mehr.
Aber schaut doch einmal nach oben. Das ist doch eigentlich ein Grund, stolz zu sein.
Und noch eine Anekdote:
Nach über zehn Jahren Selbstständigkeit fragte mich ein erfahrener Unternehmer einmal, was ich denn "hauptberuflich" machen würde.
Für ihn war klar: Selbstständig ist man erst, wenn man ein Team hat.
Solche Gespräche zeigen, wie unterschiedlich Vorstellungen von Arbeit sein können und wie leicht Status mit Inhalt verwechselt wird. Gerade die unsichtbaren Teile des Berufs gehen dabei oft unter und damit auch die Arbeit von Solo-Selbstständigen, die noch viel zu häufig als „naiv“ oder „aus der Not geboren“ abgetan wird.
Frage an euch
Mich würde interessieren, wie es bei euch aussieht:
Welcher Teil eurer Arbeit bleibt von außen meist unsichtbar, obwohl er so viel Zeit kostet?
Welche Bereiche würdet ihr lieber abgeben, welche liebt ihr besonders?
Ich freue mich auf euer Feedback.
Ausblick auf den 4. Advent
Nächsten Sonntag nehme ich euch mit in eine weitere Perspektive:
Welche Vision ich für 2026 habe und wie ich mir ein nachhaltiges, stabiles brockenwolf vorstelle.




