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Wasserbasierte Siebdruckfarbe: Vorteile, Nachteile und Praxistipps

Autorenbild: Saskia
Saskia
10. Aug.
6 Min. Lesezeit

Siebdruck Tipps und Tricks / Folge 1


Beim Siebdruck dreht sich fast alles um die Farben. Sie entscheiden darüber, wie sich ein Druck anfühlt, wie gut er auf einem Untergrund sichtbar ist, wie unkompliziert sich damit arbeiten lässt und wie haltbar das Ergebnis am Ende ist.


Ich arbeite in meiner Werkstatt ausschließlich mit wasserbasierter Siebdruckfarbe, weil sie flexibel und leicht zu verarbeiten ist. Darüber hinaus besitzt sie eine besonders weiche Haptik, da sie sich mit dem bedruckten Gewebe verbindet. 

 

Wasserbasierte Siebdruckfarbe hat aber auch ein paar Eigenheiten, die man kennen sollte, um optimale Ergebnisse zu erhalten. In diesem Beitrag geht es deshalb um die wichtigsten Unterschiede zwischen wasserbasierten Farben und Plastisolfarben, um Vor- und Nachteile, Farbmischungen, Deckkraft und ein paar Dinge, die sich in der Praxis bewährt haben.

 

Wasserbasierte Siebdruckfarbe und Plastisolfarbe

Im Textilsiebdruck werden häufig zwei unterschiedliche Farbsysteme verwendet: wasserbasierte Farben und Plastisolfarben.

 

Wasserbasierte Farben enthalten, wie der Name schon sagt, Wasser als wichtigen Bestandteil. Sie ziehen stärker in die Textilfasern ein und ergeben dadurch meist einen weicheren Druck. Gerade auf hellen Textilien fühlt sich der Druck häufig deutlich weniger wie eine zusätzliche Schicht auf dem Stoff an.

 

Plastisolfarben verhalten sich anders. Sie bleiben stärker auf der Oberfläche des Textils und sind besonders für deckende Drucke interessant. Das ist zum Beispiel dann ein Vorteil, wenn helle Farben auf dunklen Shirts gedruckt werden sollen. Sehr praktisch ist auch, dass diese Farben nicht eintrocknen und man kann sie für längere Zeit im Sieb lassen. Dafür fühlen sich Plastisoldrucke häufig etwas stärker nach einer aufliegenden Farbschicht an und sie lassen sich nicht einfach mit Wasser aus Sieben oder Werkzeugen auswaschen.

 

In meinen Workshops nutze ich ausschließlich wasserbasierte Farben.

 

Vorteile und Nachteile wasserbasierter Siebdruckfarbe

Wasserbasierte Siebdruckfarben haben einige Vorteile, aber eben auch ein paar Grenzen.

 

Vorteile:

  • Einfache Verarbeitung und Reinigung: Siebe, Rakel und andere Werkzeuge lassen sich mit Wasser reinigen, solange die Farbe noch nicht eingetrocknet ist.

  • Weiche Haptik: wasserbasierte Farben ziehen stärker ins Gewebe ein und fühlen sich dadurch meist weicher an als Farben, die eine dickere Schicht auf dem Stoff bilden.

  • Lange Haltbarkeit: richtig fixiert sind wasserbasierte Siebdruckfarben außerdem sehr haltbar. Je nach verwendetem Farbsystem können die Textilien in der Regel problemlos gewaschen und auch gebügelt werden.

 

Nachteile:

  • Mangelnde Deckkraft: gerade helle Farben auf dunklen Textilien sind mit wasserbasierten Farben deutlich anspruchsvoller. Ein weißer Druck auf einem schwarzen Shirt wird mit einem einzigen Druckgang häufig nicht vollständig deckend. Es muss also im Zweifel zwischengetrocknet werden, um dann noch einen zweiten Druck zu machen, der aber an exakt der gleichen Stelle wie der erste Druck sein muss, damit keine "Blitzer" entstehen.

  • Schnelles Eintrocknen: wasserbasierte Farben trocknen vergleichsweise schnell. Das ist beim fertigen Druck praktisch, kann während des Druckens aber zum Problem werden. Wenn Farbe im Sieb antrocknet, können feine Stellen des Motivs langsam zusetzen und im schlimmsten Fall lässt sich das Sieb nicht mehr richtig reinigen und wird unbrauchbar.

 

Warum helle Farben auf dunklen Stoffen schwieriger sind

Auf einem weißen oder hellen Shirt funktionieren wasserbasierte Farben meistens sehr gut. Auf dunklen Textilien ist das aber häufig anders.

 

Da die Farbe teilweise in das Gewebe einzieht, beeinflusst die Stofffarbe das Ergebnis. Ein heller Druck kann dadurch weniger kräftig wirken als erwartet. Besonders Weiß auf Schwarz ist ein typischer Fall. Nach dem ersten Druck wird die Stofffarbe immer noch durchschimmern und eine gewisse Transparenz haben.

 

Je nach Farbe, Motiv und Textil kann ein zweiter Druckgang helfen. Dafür muss das Sieb aber exakt an derselben Stelle bleiben, damit es keine "Blitzer" gibt. Außerdem muss der erste Druck zunächst zwischengetrocknet werden, damit der zweite Druck auch wirklich deckt.

 

Mehr Farbe ist dabei nicht automatisch die Lösung. Zu viel Farbe kann das Druckbild verändern oder Details zusetzen. Manchmal muss man deshalb akzeptieren, dass ein wasserbasierter Druck auf dunklem Stoff etwas anders aussieht als ein industriell sehr deckend gedrucktes Motiv.

 

Das muss übrigens nicht schlechter aussehen. Gerade der etwas weichere, weniger plakative Effekt kann sehr schön sein.

 



 

Siebdruck-Farben mischen

Für mich ist einer der größten Vorteile der wasserbasierten Siebdruckfarben, dass ich mir meine Farben selbst anmischen kann. Dafür nutze ich eine neutrale Basis und mische entsprechende Pigmente miteinander. So sind mir eigentlich keine Grenzen gesetzt und ich mische immer nur die Farbmenge an, die ich auch wirklich brauche.

 

Beim Mischen sollte man allerdings ein bisschen systematisch vorgehen. Vor allem dann, wenn später mehrere Teile im gleichen Farbton gedruckt werden sollen. Eine einmal spontan gemischte Farbe exakt nachzumischen, ist nämlich deutlich schwieriger, als man zunächst denkt. Für größere Serien lohnt es sich deshalb, lieber etwas mehr Farbe auf einmal anzumischen und das Mischungsverhältnis zu notieren.

 

Auch wichtig: Die Farbe kann im nassen Zustand anders wirken als nach dem Trocknen und Fixieren. Deshalb ist ein Probedruck gerade bei selbst gemischten Farben immer sinnvoll.

 

Neben klassischen Farbtönen gibt es außerdem Sonderfarben, zum Beispiel Metallic- oder Neonfarben. Je nach Farbsystem können diese sich beim Drucken etwas anders verhalten als normale Farben.

 

 

Die richtige Konsistenz

Siebdruckfarbe sollte vor dem Drucken immer gut aufgerührt werden.

 

Ist sie zu dick, lässt sie sich schwerer durch das Gewebe drücken. Ist sie zu dünn, kann sie dagegen schneller unter das Sieb laufen oder Details unsauber werden lassen.

 

Gerade wasserbasierte Farben können während des Arbeitens ihre Konsistenz verändern. Wärme, trockene Luft und längere Pausen spielen dabei eine Rolle.

 

Wenn eine Farbe etwas eingedickt ist, sollte man sie nicht einfach wahllos mit Wasser verdünnen. Zu viel Wasser verändert nicht nur die Konsistenz, sondern möglicherweise auch Deckkraft und Druckverhalten. Ich würde hier immer auf die Angaben des jeweiligen Herstellers schauen.



 

Ausreichend Siebdruck-Farbe verwenden

Ein Fehler, den man am Anfang leicht macht, ist zu wenig Farbe auf das Sieb zu geben.

 

Zum Drucken sollte ausreichend Farbe vor dem Motiv liegen. Die Rakel sollte nicht fast trocken über das Sieb laufen, sondern über die gesamte Breite in der Farbe liegen, damit sie sich leicht bewegen lässt und nicht "ruckelt". Überflüssige Farbe wird wieder zurück in den Farbbecher gegeben, so dass sie erneut verwendet werden kann und nicht verloren ist.

 

Beim sogenannten Fluten wird die Farbe zunächst mit der Rakel von unten nach oben über das Motiv verteilt, damit die offenen Stellen im Sieb mit Farbe gefüllt sind. Wenn nach dem Fluten einzelne Bereiche nicht richtig mit Farbe versorgt sind, hilft es nicht unbedingt, einfach ein zweites Mal zu fluten.


 

 

Farbe im Sieb nicht antrocknen lassen

Wasserbasierte Farben trocknen nicht nur auf dem Textil, sondern leider auch im Sieb.

Besonders feine Linien und kleine Motivdetails können dadurch relativ schnell zusetzen. Deshalb sollte man während des Druckens darauf achten, dass das Motiv nicht längere Zeit trocken liegt.

 

Falls ihr ein Motiv mehrfach drucken möchtet, solltet ihr das Sieb nach jedem Druck sofort wieder fluten. So trocknet die Farbe nicht ganz so schnell ein und ihr habt ausreichend Zeit, um den nächsten Druckträger einzurichten.

 

Wenn ein Motiv plötzlich an einzelnen Stellen schlechter druckt, liegt das übrigens nicht automatisch daran, dass man zu wenig Druck mit der Rakel ausübt. Häufig lohnt es sich zuerst zu prüfen, ob einzelne Stellen im Sieb bereits angetrocknet sind.


 

Textilien trocknen und fixieren

Ein Druck kann sich bereits trocken anfühlen und trotzdem noch nicht vollständig fixiert sein.

 

Für wasserbasierte Farben gibt es zwei Möglichkeiten, um die Farbe im Textil zu fixieren: Hitze oder Kaltfixierer.

 

Fixierung durch Hitze

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Hitzefixierung wie zum Beispiel Bügeleisen, Transferpresse oder andere geeignete Wärmequellen. Entscheidend sind immer Temperatur und Dauer. Die genauen Angaben findet ihr immer bei den Herstellerhinweisen.

 

Kaltfixierer

Eine einfache Möglichkeit, um Farben gerade bei höheren Auflagen zu fixieren ist der sogenannte Kaltfixierer. Das ist eine zu eurem Farbsystem passende Flüssigkeit, die der Farbe vor dem Druck hinzugefügt wird. Der Druck ist dann nach der angegebenen Zeit automatisch fixiert. Bei meinem System sind es bspw. 72 Stunden.

 

Erst nach der korrekten Fixierung erreicht die Farbe ihre vorgesehene Waschbeständigkeit.

 

Wie haltbar ist wasserbasierte Siebdruckfarbe?

Richtig verarbeitet und fixiert ist wasserbasierte Siebdruckfarbe sehr haltbar.

 

Wie lange ein Druck schön bleibt, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab: vom Textil, von der Farbe, von der Fixierung und natürlich davon, wie das Kleidungsstück später gewaschen wird.

 

Bei meinen verwendeten Farben können die bedruckten Textilien bis 60 Grad gewaschen werden und der Druck kann auch gebügelt werden. Auch hier gilt aber: Die konkreten Pflegehinweise hängen immer vom jeweiligen Farbsystem und natürlich dem Textil ab.

 

Mit der Zeit kann ein Druck etwas weicher oder weniger kräftig wirken. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass er sich ablöst. Gerade wasserbasierte Drucke verbinden sich stärker mit dem Gewebe und altern deshalb oft anders als sehr dicke Farbschichten.

 

Mein wichtigster Tipp für den Anfang

Beim Arbeiten mit wasserbasierter Siebdruckfarbe lohnt es sich, aufmerksam auf die Farbe zu schauen.

 

Nicht jedes Problem lässt sich mit mehr Druck, mehr Farbe oder einem zweiten Rakelzug lösen. Häufig ist die Ursache viel einfacher: Die Farbe ist zu dick geworden, im Sieb fehlt Farbe, einzelne Stellen sind angetrocknet oder das Motiv wurde nicht vollständig geflutet.

 

Und besonders wichtig: Siebdruck ist ein Handwerk. Man lernt während des Tuns und auch nie aus.

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